Reden des Ministers

13 Dezember 201917:56

Rede des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, bei der Präsentation des Memoirenbuchs „Schwierigkeiten der Übersetzung“ von Vitali Tschurkin am 13. Dezember 2019 in Moskau

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Liebe Freunde,

wir haben uns zur Präsentation eines Buches unseres Kameraden und Freundes, des herausragenden russischen Diplomaten Vitali Tschurkin versammelt. Er arbeitete daran bis zu seinen letzten Lebenstagen. Den Titel hat er selbst ausgedacht: „Schwierigkeiten der Übersetzung“. Ich möchte mich bei Frau Tschurkina bedanken, die diese Arbeit beendet und dieses Buch veröffentlicht hat. Ich bedanke mich natürlich auch bei den Herausgebern.

Herr Tschurkin hat riesige Verdienste um unsere Heimat. Neben den staatlichen Auszeichnungen wurde er dafür auch in anderen, weniger formellen Situationen geehrt. Schon nach seinem Ableben wurden seinen Errungenschaften wissenschaftliche Konferenzen gewidmet, die an unserer Diplomatischen Akademie am 20. Februar dieses und auch vorigen Jahres stattfanden.

Heute haben wir einen neuen Anlass, den Beitrag Herr Tschurkins zu unserer außenpolitischen Arbeit hervorzuheben. Er war ein herausragender Diplomat. Mitten in den „Perestroika“-Jahren (damals arbeitete er in den USA unter der Leitung von Anatoli Dobrynin; und ich denke, auch Herr Anatoli Torkunow arbeitete dort in diesen Jahren) war Vitali, damals ein junger Diplomat, der einzige, der mutig, entschlossen und überzeugend im US-Kongress auftrat – vor alten und erfahrenen Senatoren, Kongressmitgliedern – und erzählte ihnen, was in unserem Land in Wahrheit vorging.

Später arbeitete er in sehr vielen Richtungen – er war ja ein richtiger „Mehrmaschinenarbeiter“. Er leistete einen riesigen Beitrag zur Etablierung der Informationsarbeit unseres Ministeriums schon unter neuen Bedingungen. Er bemühte sich sehr intensiv um die Regelung der Jugoslawien-Krise, genauer gesagt, von gleich mehreren Krisen (dort gab es immerhin viele Krisen), war unser Botschafter in Belgien, Kanada. Und zum Höhepunkt seiner Karriere wurde natürlich der Posten des Ständigen Vertreters bei den Vereinten Nationen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass er sich im Namen Russlands auch am Arktischen Rat beteiligte. Damals dachten viele, dies wäre keine so wichtige Richtung unserer Arbeit, aber heutzutage wird die Bedeutung der Arktis immer größer – und die Basis, die Herr Tschurkin damals als Leiter unserer Delegation im Arktischen Rat gelegt hat, ist jetzt sehr nützlich und hilfreich für uns.

In New York – das kann ich schon aus meinen eigenen Erfahrungen sagen – konnte er sein Talent besonders umfassend entfalten. Ich muss wohl nicht extra daran erinnern, dass gerade auf seine Amtsjahre die tiefen Krisen entfallen sind, die für globales Aufsehen sorgten. Das waren unter anderem die Aggression Georgiens gegen Südossetien, die Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens durch Russland, die Nato-Aggression gegen Libyen, die Situation in Syrien, die Ukraine-Krise, die durch den Staatsstreich ausgelöst wurde, wonach wir die Minsker Vereinbarungen treffen konnten, die jetzt die Basis unserer ganzen Arbeit bilden und vom UN-Sicherheitsrat einstimmig befürwortet wurden – nicht zuletzt dank den Bemühungen Herrn Tschurkins. Das ist bis dato die wichtigste Errungenschaft in dieser Richtung.

Vitali war ein sehr herausragender, begabter, auch wenn „widerborstiger“ Mann. Er hatte immer seine eigene Meinung. Er konnte seine Position verteidigen, sich gegen Angriffe anderer wehren. Er gab selbst gegen „totschlagende“ Argumente (wie sie seinen Gegnern zu sein schienen) nie nach. Was besonders wichtig für die Arbeit im UN-Sicherheitsrat ist, legte er immer sehr viel Wert auf einzelne Details. Ohne dies ist es dort äußerst schwierig, Erfolg zu haben. Und er hatte immer Erfolg. Er wurde verehrt. Wir alle wissen, wie seine Kontakte mit den westlichen Partnern waren – auch mit Samantha Power, die viele gute Worte über ihn schrieb. Er war kein gleichgültiger Mensch. Wenn er seine Dienstpflichten erfüllte – egal ob in New York, Bosnien oder sonst wo – durchlebte er alles selbst. Natürlich wurde Herr Tschurkin manchmal auch mit verständnislosen Partnern konfrontiert, die das, was wir taten, nicht zu schätzen wussten. Er durchlebte alles. Ich erinnere mich gerade an unsere letzten Kontakte, an unsere Gespräche während der letzten UN-Vollversammlung, an der er sich als unser Ständiger Vertreter beteiligte. Natürlich war es an ihm zu sehen, dass er seine herausragenden Erfolge mit kolossalen nervösen und physischen Belastungen bezahlen musste. Wir werden immer an diesen Mann denken, der für immer und ewig in die Geschichte unserer Diplomatie eingegangen ist.

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch unter Wissenschaftlern und auch unter Menschen gefragt sein wird, die sich für das Thema Außenpolitik interessieren. Aber nicht nur unter ihnen: Auch die junge Generation – unsere Studenten der MGIMO, der Diplomatischen Akademie – wird unbedingt Interesse für dieses Buch zeigen. Ich kann es Ihnen nur empfehlen.

 

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