19 Mai 202117:00

Rede des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, zum 25. Jahrestag des Arktischen Rates, 19. Mai 2021

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Die Arktis etabliert sich heute in der internationalen Agenda als eine Region, wo eine erfolgreiche Kooperation geführt wird. Dabei geht es sowohl um ein einzigartiges, aber fragiles Ökosystem als auch um Menschen, die dort arbeiten, wie auch um ein riesiges Potenzial für gemeinsame Entwicklung. Die Polarregion kann man nur dann verantwortungsvoll verwalten, wenn die Länder, die eine besondere Verantwortung für ihr Schicksal tragen, wirklich partnerschaftlich zusammenwirken. Es ist erfreulich, festzustellen, dass sich die Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern im Hohen Norden trotz der schwierigen Situation in den internationalen Angelegenheiten konsequent entwickeln.

Das ist größtenteils ein Verdienst des Arktischen Rates. In den vergangenen 25 Jahren haben wir große Fortschritte bei der Festigung dieser Struktur gemacht. Das Vierteljahrhundert der akribischen Arbeit an der Entwicklung dieses Kooperationssystems bringt seine Früchte. Es wurden drei juristisch verbindliche Regierungsabkommen unterzeichnet, es wurde die Bildung des Arktischen Wirtschaftsrats und der Arktis-Universität verabschiedet. Es ist uns gelungen, enge Verbindungen mit dem Arktischen Forum der Küstenwachdienste anzuknüpfen und die Kooperation mit anderen regionalen Organisationen voranzubringen.

Bei dem Arktischen Rat handelt es sich um ein einmaliges Forum, wo es keine Aufteilung in „Unsere“ und „Fremdlinge“ gibt, wobei Entscheidungen per Konsens getroffen werden. Dabei werden die Interessen der nördlichen Urvölker berücksichtigt, die an einem Tisch mit Vertretern der beteiligten Staaten sitzen. Die schöpferischen Aktivitäten des Rates haben seine Effizienz deutlich unter Beweis gestellt.

Einen sehr wichtigen Beitrag zur Lösung der vor dem Arktischen Rat stehenden Aufgaben leistet das Netzwerk seiner Hilfsgremien. Vor allem sind das die Arbeits- bzw. Expertengruppen, die sich mit ganz verschiedenen Fragen der nachhaltigen Entwicklung befassen. Dadurch bewerten die Experten alle möglichen Initiativen und Empfehlungen, die dann praktisch umgesetzt werden.

Die Lösung der im Hohen Norden entstehenden Probleme verlangt oft eine Einmischung von außerregionalen internationalen Akteuren. Das sind vor allem Länder und Organisationen, die im Rat den Beobachterstatus genießen. Stand heute sind das 38 Länder bzw. Organisationen, was gar nicht so wenig ist. Der Rat muss die Effizienz dieses Kooperationsmechanismus bewerten und an ihrer weiteren Steigerung arbeiten. Aber am wichtigsten ist dabei (und das habe ich bereits hervorgehoben), dass der Dialog auf verschiedenen Ebenen geführt wird, nicht unterbrochen wird, ohne dass dabei diverse, auf Konfrontation bezogene Vorgehensweisen und Spannungen von außerhalb nicht hinzugebracht werden.

In diesem Jubiläumsjahr beginnt der Vorsitz Russlands im Arktischen Rat. Auf unser Land entfällt fast ein Drittel der Arktis mit der Bevölkerung von mehr als 2,5 Millionen Menschen. Wir setzen ein komplexes, umfassendes Programm der Erschließung dieser Gebiete um. Als Vorsitzender werden wir eine ausgewogene nachhaltige Entwicklung der Region in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und Naturschutz-Dimension fördern. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Erhöhung des Wohlstandes und Lebensniveaus der Menschen.

Russland will eine bessere Anpassung und größere Nachhaltigkeit des Polargebiets im globalen Klimawandel, die Minimierung der anthropogenen Einflüsse auf die Umwelt fördern. Diese Arbeit wird unter anderem bei der Umsetzung der nationalen Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens von Paris und Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UNO durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit wird der Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt, einmaligen Ökosystemen, Vorbeugung der Verschmutzung, Entwicklung des praxisorientierten Zusammenwirkens der Arktis-Anrainerstaaten für gemeinsames Reagieren gewidmet.

Wir planen eine Reihe von Veranstaltungen und Projekten im Bereich Aufrechterhaltung des  kulturellen und historischen sowie linguistischen Erbes des Nordens. Solche Tätigkeit ist von besonderer Bedeutung im Kontext der von der UNO erklärten Internationalen Dekade der indigenen Sprachen 2022-2032.

Wir rechnen damit, dass der Vorsitz Russlands im Arktischen Rat der weiteren Festigung der regionalen Kooperation dienen wird. Für die Antwort auf die Herausforderungen, mit denen wir heute in hohen Breitengraden konfrontieren, sind wirklich gemeinsame Herangehensweisen erforderlich.

Die Arktis ist unser gemeinsames Zuhause, und es ist unsere direkte Verpflichtung – sie für die jetzige und künftige Generationen zu bewahren.

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