16 November 202017:15

Artikel „Humanitäre Horizonten von UNESCO“ des Vorsitzenden der Kommission der Russischen Föderation für UNESCO-Angelegenheiten, Außenministers der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, vom 16. November 2020

1964-16-11-2020

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Das Jahr 2020 ist reich an Jubiläumsdaten, die ohne Übertreibung an schicksalhafte Ereignisse der Neusten Zeit erinnern. Dazu gehört das Ende des blutigsten und umfassendsten in der Geschichte Zweiten Weltkriegs und Bildung der modernen Weltordnung nach seinen Ergebnissen, die in den Satzungsdokumenten der führenden internationalen Institutionen widerspiegelt ist. Während für die Aufrechterhaltung der politischen Nachhaltigkeit der globalen Ordnung die UNO verantwortlich ist, ein moralischer Kompass im Nachkriegs-Koordinatensystem, der einen intellektuellen Vektor der Entwicklung der internationalen Gemeinschaft aufweist, ist UNESCO, die in diesem Jahr ebenfalls seinen 75. Jahrestag begeht.

Am 16. November 1945 wurde in London die Verfassung der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterzeichnet. Doch gerade mit dem Beitritt der Sowjetunion am 21. April 1954 bekam die Tätigkeit der UNESCO einen globalen Umfang und verlor nicht an ihre Aktualität, die edle Mission „die Idee des Schutzes des Friedens im Bewusstsein der Menschen zu festigen“, bekam universelle Anerkennung und Legitimität.

UNESCO genießt großen Respekt in unserem Land. Eine bedeutende Arbeit zur Förderung und Popularisierung der hochmoralischen Prinzipien und Werte der Organisation wird von der Kommission für UNESCO-Angelegenheiten der Russischen Föderation geführt, die die Leiter der profilierten russischen Ministerien und Dienste, bekannte Vertreter der Bildung, Wissenschaft, Kultur und Journalistik, Vertreter der künstlerischen und Geschäftskreise umfasst.

Die durch Jahrzehnte gehende unsere Kooperation mit UNESCO ist ein Beispiel der gegenseitig respektvollen und bereichernden Partnerschaft, wovon die Ergebnisse des Treffens des Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, mit der Generaldirektorin der Organisation Audrey Azoulay in Moskau 2019 zeugen.

Die Russische Föderation ist einer der eindeutigen Anführer nach der Zahl der assoziierten Schulen und Lehrstühle der UNESCO, hat die führenden Positionen im Bereich Ozeanforschung, Hydrologie, Wissenschaften über Erde, Bioethik und künstliche Intelligenz. Die Erhöhung des wissenschaftlichen Ansehens der Organisation wird durch den anlässlich des Internationalen Jahres des Periodensystems der Elemente (2019) eingerichteten Russland-UNESCO-Mendelejew-Preis für fundamentale Wissenschaften und das Programm der Garanten FosAgro/UNESCO/IUPAC im Bereich „Grüne Chemie“ gefördert.

Russland nimmt an den Sport- und Antidopingprogrammen der UNESCO aktiv teil, darunter zur Förderung des in unserem Lande ausgearbeiteten Aktionsplans von Kasan auf der internationalen Ebene.

Es entwickelt sich dynamisch die kulturelle Kooperation. 2018 fand in Sankt Petersburg unter Teilnahme von Audrey Azoulay der Internationale Jazz-Tag mit Erfolg statt. 2019 wurde die Liste des Welterbes durch die 30. Russische Nominierung „Kirchen der Pskower Architektur-Schule“ ergänzt. 2022 wird die Hauptstadt von Tatarstan die Jubiläumssession des Ausschusses Welterbe der UNESCO, die anlässlich des 50. Jahrestags des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt  aus dem Jahr 1972 stattfindet, ausrichten.

Als einer der größten Geldgeber und verantwortungsvolles Mitglied der leitenden und meisten Hilfsorgane von UNESCO unterstützt die Russische Föderation die Initiative der Generaldirektorin über die „strategische Transformation“ der Organisation, die auf die Erhöhung der Nutzeffekte der Organisation, ihre Anpassung an neue Realien gerichtet ist. Der Schlüssel dazu soll eine planmäßige Festigung des Programmprofils von UNESCO unter Bedingung der Aufrechterhaltung ihres Zwischenregierungscharakters und strikter Einhaltung der im UN-System festgelegten „Arbeitsteilung“ sein.

Im gemeinsamen Interesse der Teilnehmerstaaten ist die Senkung der Politisierung von UNESCO, die ihre Effizienz senkt. Man soll aus der Tagesordnung die für die Organisation untypischen Fragen der territorialen Integrität und Souveränität ausschließen, die Möglichkeit der Abrechnung zwischen Staaten auf der Plattform des Forums außer Rahmen bringen. Für Bedauern sorgen auch die andauernden Versuche der Förderung der politisch engagierten und konjunkturbedingten Projekte in UNESCO, die im Sinne des berüchtigten Konzeptes der „auf Regeln ruhenden Ordnung“ gebildet wurden,  die den traditionellen Prinzipien der Organisation wie Konsens, Inklusivität und Dialog widersprechen.

Trotz der naturbedingten Milde soll UNESCO ab und zu auch einen festen Charakter zeigen. Die Organisation darf nicht im Schatten in Situationen, die mit groben Verletzungen ihrer hohen Prinzipien und Ideale verbunden sind, bleiben. Es handelt sich unter anderem über solche mit Makeln behafteten Sujets wie die Säuberung des Bildungsraums der Ukraine und Lettlands von der russischen Sprache sowie die im Baltikum und einer Reihe der westlichen Staaten festgestellten Fälle der Beschränkung der Meinungsfreiheit und Druck gegen russische Medien. Die internationale Gemeinschaft mit UNESCO an der Spitze soll effektive Maßnahmen zur Wiederherstellung der Objekte des Welterbes in Syrien, die von Terroristen betroffen wurden, treffen. Die Russische Föderation ist bereit, das umfassend zu fördern.

Im Laufe der ganzen Geschichte der UNESCO musste man mehrmals verschiedene politische und Finanz-Schwierigkeiten glänzend überwinden. Nach der Überwindung des sich in die Länge gezogenen Haushaltskrise, die durch den Verzicht einzelner Staaten die „Rechnung zu bezahlen“, die die Organisation verließen, ausgelöst wurde,  konfrontierte die Organisation jetzt mit einer prinzipiell neuen Herausforderung – Coronavirus-Pandemie, die einen spürbaren Schlag gegen alle Bereiche des UNESCO-Kompetenzbereichs versetzte. Ich habe keine Zweifel daran, dass auch diese schwere Etappe würdevoll überwunden wird,  und UNESCO ihren Kurs auf den Aufbau des Friedens, der auf einer „moralischen und intellektuellen Solidarität der Menschheit“ ruht, fortsetzen wird.

 

 

 

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