18 Februar 201807:55

Interview des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, für den Dokumentarfilm „Führungspersönlichkeiten Russlands“ im TV-Sender „Perwij Kanal“ am 18. Februar 2018

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Frage: Sie wurden sicher darauf aufmerksam, dass in diesem Gebäude Plakate „Russland – Land der Möglichkeiten“ hängen. In Ihrer Rede bei der Meisterklasse appellierten Sie an die historische Erfahrung. Erzählen Sie über Russland als Land der Möglichkeiten durch Anführung von historischen Beispielen. Aus meiner laienhafter Ansicht, wenn ich mir Nina Petrowna Chruschtschjowa und Jacqueline Kennedy ansehe, so verstehe ich, wer woher kommt und dass unser Land ein Land der riesigen Möglichkeiten ist. Und welche Beispiele haben Sie zu diesem Thema?

Sergej Lawrow: Im Großen und Ganzen kann jeder Mensch, der etwas in seinem Leben erreicht hat, solche Beispiele anführen. Aus seiner persönlichen Erfahrung und der Erfahrung seiner Freunde. Ja, nicht alle schaffen das, nicht jedermanns Träume gehen in Erfüllung. Aber wenn man sein Ziel fest ins Auge fasst (vielleicht nicht immer, aber in den meisten Fällen), bekommt man das gesuchte Ergebnis.

Im Fall, wenn dieser „soziale Lift“ funktioniert, wäre die Lösung der Aufgabe zur Rekrutierung von führenden Fachkräften durch neue Leute optimal, glaube ich. Heute sah ich im Laufe einer kurzen, aber konkreten Kommunikation interessierte junge Männer, die ihre Berufe mögen und meinen, dass sie für das Land mehr tun können. Gerade so würde ich ihr Streben, an diesem Projekt, Test und Wettbewerb teilzunehmen, formuliert. Ich hoffe sehr, dass die Ergebnisse ihren Erwartungen entsprechen werden, man auf viele von ihnen aufmerksam wird, um ihnen einen neuen Job anzubieten.

Frage: Als Sie in die Lebensläufe der Menschen, ihre Spezialisierung Einsicht nahmen, was war für Sie wichtig beim Anbieten einer Arbeitsstelle im Außenministerium Russlands?

Sergej Lawrow: Ich habe darüber gesprochen, als ich in der Sitzung die Rede hielt. Das ist vor allem natürlich Hingabe, Bereitschaft, schwierige Fragen zu lösen, ohne seinen eigenen Zeitplan und Plan zu berücksichtigen, breites Wissen, weil heute im Bereich der internationalen Beziehungen Probleme entstehen, die weit über die Rahmen der klassischen Diplomatie hinausgehen. Natürlich ist es auch die Bereitschaft zu den ernsten Beschränkungen in der Eigenzeit, nicht normierte Arbeitszeiten, Reisen ins Ausland, oft in die Länder mit schwierigem Klima, mit einer schweren militärpolitischen Lage und vieles mehr. Für einen Erfolg in der Diplomatie (wie vielleicht in einem beliebigen Beruf, aber dennoch wohl ein bisschen mehr, als in einigen anderen) ist es sehr wichtig, dass du dich beteiligt an dem Leben fühlst, das dein Land lebt, dich als untrennbarer Bestandteil deines Landes und Vaterlands fühlst. Das kann man als Patriotismus, Verantwortung für die Schicksale seines Landes bezeichnen – wie auch immer, aber ohne diese Eigenschaft ist es sehr schwierig, die Interessen des Staates zu verteidigen, den du im Dialog mit anderen Ländern vertrittst.

Frage: Aus Ihrer internationalen Erfahrung haben Sie solche Projekte, solche „sozialen Lifte“ hervorgehoben? Welche Beispiele können Sie anführen? Worin besteht die Einzigartigkeit unseres Projektes?

Sergej Lawrow: Ich denke, dass das, was in Sotschi in der Art organisiert wurde, kaum irgendwo noch gefunden werden kann. In jedem Land gibt es seine eigenen Regeln und Methoden der Einstellung von Fachkräften. Im Westen läuft meistens ein ständiger Wechsel von Postern, besonders dort, wo die Prinzipien des Zweiparteiensystems gelten, in erster Linie sieht man das am Beispiel der USA, oder am Beispiel Deutschlands mit seinem Drei- und Vierparteiensystem. Sind die Demokraten an der Macht, wenden sich die Republikaner dem Business oder der Politikwissenschaft zu, die wiederum von Business und Staat finanziert wird. Findet der Wechsel der Regierungspartei statt, so wendet sich die zweite Partei denselben Geschäftsstrukturen, Brain-Trusts zu. So zeichnet sich der Kreis der Menschen ab, die gefördert werden und später leitende Posten bekleiden. Das, was heute getan wurde, das, was der Präsident Russlands, Wladimir Putin, auf den Weg gebracht hat, kann ich nicht in Bezug auf andere Länder sagen, ich kann mich nicht erinnern. Man muss wohl keine Versuche machen, jemand nachzuahmen oder allen seine Methoden der Suche nach jungen Führungspersonen aufzuzwingen. Jedes Land empfindet besser als jemand anderes, wie die Gesellschaft lebt, woran sie interessiert ist und was man dafür tun kann, damit diese „sozialen Lifte“ allen angeboten werden würden, die sich hervortun wollen.

Frage: Worin besteht das Interesse des Außenministeriums Russlands am „Führungspersönlichkeiten Russlands“?

Sergej Lawrow: Wir hoffen, dass dieser Wettbewerb uns dabei behilflich sein wird, die Menschen zu finden, die an einem diplomatischen Dienst interessiert sein und allen Kriterien entsprechen werden, über die ich sagte. Wir haben einen speziellen Prozess der Wettbewerbsauswahl. Außer den objektiven Kriterien – dem guten Universitätsabschluss, inklusive Abschluss eines Masterstudiums, der Beherrschung von mindestens zwei Fremdsprachen werden mit den Kandidaten Bewerbungsgespräche durchgeführt, die dabei helfen, kreative Eigenschaften einer Person zum Vorschein zu bringen, der ein solches Gespräch hat, seine Fähigkeiten, die Fähigkeit, schnell zu reagieren, seine Intuition, weil die Intuition in der Diplomatie sehr wichtig ist. Manchmal kannst du dank ihr vieles lösen. Zum Beispiel, rechtzeitig die Verhandlungen zu beenden, zu einem guten Zeitpunkt, der dir recht ist, oder in einer anderen Situation. Deswegen hoffe ich, dass auch die heutige Veranstaltung, insbesondere mein Treffen mit den drei Gewinnern des außenministeriellen Segmentes dieses Wettbewerbs, ergiebig sein wird.

Frage: Sind Sie gegenüber anderen „Führungspersönlichkeiten Russlands“ offen, die Ihren Rat bekommen oder ihre eigenen Vorschläge verlauten lassen möchten?

Sergej Lawrow: Natürlich. Bitte, wir sind immer dazu bereit. Übrigens, das ist nicht das erste Mal, wenn wir von den Vertretern der Zivilgesellschaft im weiten Sinne Spezialisten in diesem oder jenen Bereich Vorschläge bekommen, wie unsere Außenpolitik aufgebaut und konkrete Fragen gelöst werden sollen. Wir haben einen ganzjährigen Dialog mit den Vertretern der nicht kommerziellen Organisationen, einmal pro Jahr führen wir eine Plenarsitzung mit meiner Teilnahme durch. Im Laufe des Jahres treffen wir uns in allen unseren Departements, die sich mit den einzelnen Regionen beschäftigen, sowie die auf Ebene der UNO und europäischer Organisationen arbeiten, mit den NGOs, organisieren Seminare-Debatten. In diesen Debatten werden oft interessante Ideen vorgebracht. Der Minister hat einen wissenschaftlichen Beirat, in dem betagte und sehr erfahrene sowie junge Wissenschaftler Diskussionen organisieren, die helfen, sehr interessante Ideen zu extrahieren. Natürlich gibt es auch den Geschäftsrat, in dem die Vertreter unserer führenden Unternehmen ihre Einschätzungen teilen, was in der Welt geschieht. Die meisten unserer großen Unternehmen machen sich immer darum Sorgen, dass das russische Unternehmertum auf den Weltmärkten nicht diskriminiert wird. Sie haben auch sehr interessante Beobachtungen, die mit der Außenpolitik, mit geopolitischen Kalkulationen der Länder verbunden sind, in denen sie arbeiten. Diese Einschätzungen helfen in unserer Tätigkeit auch sehr.

Frage: Sie haben Arbeitstage mit vielen Terminen. Finden Sie Zeit zu träumen und wovon träumen Sie?

Sergej Lawrow: Träumen ist gut. Kommt darauf an, was man unter diesem Wort „träumen“ versteht. Bei Reisen, wenn ich im Flugzeug bin, lese ich Materialien zu den bevorstehenden Verhandlungen. Wenn ich einfach ins Bett gehe, habe ich natürlich im Kopf irgendwelche Gedanken, wie auch andere. Aber immer häufiger werden diese Gedanken darin umgeformt, wie der morgige Tag aussehen soll, wenn die ernsten Verhandlungen bevorstehen, oder wie es besser ist, ein langfristiges Problem zu lösen – und du schläfst gut ein. Das hilft.

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