20 Dezember 201717:52

Rede des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, bei der Allgemeinen Versammlung der Kommission der Russischen Föderation für UNESCO-Angelegenheiten, am 20. Dezember 2017 in Moskau

2480-20-12-2017

  • de-DE1 en-GB1 es-ES1 ru-RU1 fr-FR1

Sehr geehrte Kollegen, Liebe Freunde.

Ich freue mich, sie bei einer weiteren Allgemeinen Versammlung der Kommission der Russischen Föderation für UNESCO-Angelegenheiten begrüßen zu dürfen.

Das scheidende Jahr war für unsere Arbeit sowie für die Arbeit in allen anderen Richtungen nicht einfach. Wir bemühten uns, die Ideale der Gerechtigkeit, Treue an Völkerrecht, Demokratie in internationalen Angelegenheiten zu verteidigen. Leider stößt eine objektive Tendenz zur Bildung einer multipolaren Welt auf einen beharrlichen fehlenden Wunsch jener, die seit einigen Jahrhunderten die Schicksale der Welt beschlossen, auf die Hegemonie, Dominanz in internationalen Angelegenheiten zu verzichten, obwohl es dafür nicht mehr genug Kräfte gibt. Zudem können alle Probleme, die in internationalen Beziehungen entstehen, ausschließlich gemeinsam gelöst werden.

Leider wurden das internationale humanitäre Zusammenwirken, unsere mit Ihnen Arbeit von diesen Versuchen belastet, die Situation zu politisieren, zu unfairen Methoden zu greifen, darunter die Tätigkeit der UNESCO zu politisieren.

Wir treten dafür ein, dass solche Versuche der Politisierung der Arbeit dieses Forums gestoppt werden und dass wir alle uns an das Mandat unserer Organisation halten.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte bei der Eröffnung des Sankt Petersburger internationalen Kulturforums am 17. November, dass die Kultur, Kunst, Aufklärung die Antwort auf Herausforderungen der Barbarei, Intoleranz, aggressiven Radikalismus ist, die unsere ganze Zivilisation bedrohen. Wir wurden auf die Aufrufe der neuen Generalsekretärin, Direktorin von UNESCO, Audrey Azoulay zur Depolitisierung und Lösung der gemeinsamen aktuellen Aufgaben durch gemeinsame Anstrengungen aufmerksam. Wir rechnen damit, dass diese Absichten sich in praktische Angelegenheiten verkörpern werden. Ich denke, dass die Grundlage des Erfolgs – die Anhänglichkeit an traditionelle Werte von UNESCO, Gewährleistung eines nicht konfrontativen Charakters der wichtigsten Richtungen ihrer Tätigkeit ist.

Das scheidende Jahr war erfolgreich für unseren Dialog mit der Organisation. Ein wichtiges Ereignis war die 39. Session der Generalkonferenz. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich bei Olga Wassiljewa bedanken, die die russische Delegation leitet und sehr positive Ergebnisse sowohl für die Russische Föderation, als auch für UNESCO im Ganzen gewährleistete.

Die bei der Session verabschiedete neue Fassung der „Strategie zur Festigung der Tätigkeit von UNESCO zum Schutz der Kultur und Förderung des kulturellen Pluralismus im Falle eine bewaffneten Konfliktes“ widerspiegelt unsere Prioritäten und bleibt eine gute Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Zusammenarbeit in diesem Bereich. Ein bedeutender Schritt in dieser Richtung wurde die Unterzeichnung eines Memorandums über gegenseitiges Verständnis beim Schutz und Wiederherstellung der Kulturwerte in Konfliktzonen zwischen dem Staatlichen Ermitage und der Organisation.

Wegen eines bedeutenden Schadens, der von Terroristen dem reichen kulturell-historischen Erbe des Nahen Ostens zugefügt wurde, streben wir die Aktivierung der Tätigkeit der UNESCO zur Wiederherstellung der Denkmäler in Palmyra und Aleppo an. Hier kam es leider nach ersten positiven Impulsen zum Bremsen, weil der Druck, der weiterhin auf das Sekretariat von UNESCO ausgeübt wird, die bedauerliche Tatsache widerspiegelt, dass politische Ziele weiterhin über dem gesunden Verstand dominieren.

Bedeutende Erfolge wurden bei der Förderung der Bildungs- und Aufklärungsprojekte erreicht. Wie ich bereits sagte, fand im September eine Session der Generalkonferenz statt, auf der der Beschluss über die Schaffung eines Internationalen Zentrums für Kompetenzen bei der bergbautechnischen Ausbildung auf Grundlage der Petersburger Bergbauuniversität unter Schirmherrschaft der UNESCO getroffen wurde. Mit dem Beschluss der Generalkonferenz wurden in den Kalender der Gedenkdaten 2018-2019 Jubiläumsereignisse aufgenommen, die mit dem Namen von Maxim Gorki, Iwan Turgenew, Alexander Solschenizyn, Marius Petipa verbunden sind. Das Jahr 2019 wurde auf unsere Initiative zum Internationalen Jahr des Periodensystems der chemischen Elemente erklärt.

Die Liste des UNESCO-Welterbes wurde im scheidenden Jahr durch zwei weitere unsere Objekte ergänzt – „Mariä-Entschlafens-Kathedrale und das Kloster der Inselstadt Swijaschsk“ und das russisch-mongolische Naturprojekt „Landschaften Dauriens“. Damit gehört Russland, wo sich 29 Kultur- und Natur-Objekte des Welterbes befinden, zur Top 10 der Staaten nach dieser Kennzahl. Auf der Tagesordnung steht die Gewährleistung  ihrer Aufrechterhaltung bei enger Koordinierung zwischen allen profilierten Diensten und Regionen.

Im unseren Interesse ist der Einsatz des Potentials von UNESCO zur Förderung der humanitären Zusammenarbeit im großen eurasischen Raum. Dieses Thema wurde bei meinem jüngsten Treffen mit den Leitern mehrerer Subjekte der Russischen Föderation besprochen. Wir unterstützten unter anderem die Schaffung des Eurasischen Kulturzentrums in Moskau, Internationalen Zentrums für Epos der Völker Eurasiens in Jakutsk, Archäologischen Zentrums in Chakassien. Im Juli fand in Baschkirien das II. Eurasische humanitäre Forum statt, das der Berufsausbildung gewidmet war. Eine hohe Einschätzung des Beitrags unserer Regionen zur Entwicklung der internationalen humanitären Zusammenarbeit wird durch Ernennung von Mentimer Schajmijew zum Sondergesandten von UNESCO für interkulturellen Dialog bestätigt.

Bei der Arbeit der UNESCO im Bereich Kommunikation und Informationen wird besondere Aufmerksamkeit dem Schutz der Journalisten in bewaffneten Konfliktzonen, Kampf gegen Fake-News, Radikalisierung der Medien, Erhöhung der Qualität der Berufsausbildung und Ausarbeitung der Empfehlungen eines ethischen Verhaltens in diesem Bereich gewidmet.

Angesichts der führenden Rolle der UNESCO bei der Ausarbeitung der internationalen Herangehensweisen zur Lösung der Probleme, die mit der Entwicklung der Informationsgesellschaft und Gewährleistung der Informationssicherheit im humanitären Bereich verbunden sind, werden wir auch weiter unsere Teilnahme an solchen Zwischenregierungsprogrammen wie „Informationen für alle“, „Entwicklung der Kommunikation“, „Gedächtnis der Welt“ ausbauen. Wir werden weiter allseitige Unterstützung der Tätigkeit entsprechender russischer Ausschüsse leisten.

Wir begrüßen den Beschluss der 202. Session des Exekutivrats der UNESCO zur Modernisierung der Charta des Programms „Gedächtnis der Welt“, die auf ihre Depolitisierung gerichtet ist. Unter aktiver Teilnahme des Russischen Ausschusses des UNESCO-Programms „Informationen für alle“ fand im Juni in Chanty-Mansijsk das dritte Globale UNESCO-Expertentreffen „Mehrsprachigkeit im Cyberraum im Interesse einer inklusiven nachhaltigen Entwicklung“ statt. Seine Durchführung förderte die Umsetzung der Beschlüsse des Weltgipfels für Fragen der Informationsgesellschaft.

Es wurde eine energische Arbeit zur Festigung unserer Positionen in der Ozeanografischen Zwischenregierungskommission gemacht, wobei wir den Platz im Exekutivrat dieser Struktur beibehalten haben.

Es wurden gute Ergebnisse im Rahmen des Programms „Mensch und Biosphäre“ erreicht. In vielerlei Hinsicht wurde dank unseren Anstrengungen bei der 29. Session des Internationalen Koordinierungsrats – leitenden Organs des Programms – beschlossen, in das UNESCO-Weltnetz drei russischen Biosphärenreservate aufzunehmen sowie das erste in Russland grenzübergreifende Naturreservat zusammen mit Kasachstan zu schaffen.

Zu den nachgefragtesten Projekten auf der UNESCO-Plattform gehört die Schaffung Globaler Geoparks. Wir begrüßen das Interesse unserer Regionen an dieser Richtung. Unter aktiver Mitwirkung des russischen Ausschusses des Internationalen Programms für Geowissenschaften und Geoparks wurde ein Antrag zur Schaffung des ersten solchen Objektes in Baschkortostan vorgelegt. An der Reihe sind die Republik Altai und das Gebiet Irkutsk.

Wir setzten zusammen mit dem Wirtschaftsministerium Russlands und dem UNESCO-Lehrstuhl an der MSU eine gemeinsame Arbeit zur Erforschung globaler Probleme im Rahmen des UNESCO-Programms „Steuerung der sozialen Wandlungen“ fort. Sein Ergebnis wurde die Entwicklung eines internationalen Master-Programms für soziale Transformationen.

Große Aufmerksamkeit wurde im scheidenden Jahr der Bildung eines Clusters der Einrichtungen Fachschulen im Rahmen eines Netzes der mit UNESCO assoziierten Schulen gewidmet. Im Mai fand in Chanty-Mansijsk die X. Internationale Konferenz „Wasserbecken Ob-Irtysch: Jugend erforscht und behält das Natur- und Kulturerbe in den Regionen der großen Flüsse der Welt“ (zwar eine große, aber sehr eindeutige und konkrete Bezeichnung) statt.

Wir messen große Bedeutung der Entwicklung eines anderen Bildungsnetzwerkes von UNESCO – Programm UNITWIN/UNESCO-Lehrstühle bei, das in diesem Jahr 25 Jahre wurde. Wir halten es für wichtig, das Zusammenwirken in diesem Bereich zur Popularisierung unserer wissenschaftlichen und praktischen Errungenschaften, Bildung einer objektiven Gestalt Russlands im globalen Bildungsraum auszubauen.

Im nächsten Jahr erwarten uns viele auffallende, interessante Ereignisse im UNESCO-Bereich. Dazu gehört das Feiern des Internationalen Jazz-Tags in Sankt Petersburg am 30. April 2018. Die Wahl der Stadt an der Newa als Welthauptstadt von Jazz 2018 (ich begrüße hier Igor Butman) bedeutet natürlich die Anerkennung eines bedeutenden Beitrags Russlands zur Förderung dieses schönen Musikgenres.

Zum Schluss möchte ich allen herzlich zum Silvester und Weihnachten gratulieren. Wünsche Ihnen und ihren Angehörigen alles Gute.

 

 

Zusätzliche Materialien

Foto

x
x
Zusätzliche Such-Tools