17 September 200314:40

INTERVIEW DES STELLVERTRETENDEN AUSSENMINISTERS RUSSLANDS ALEXANDER SALTANOW ZUR RUSSISCHEN AFRIKA-POLITIK MIT DER RIA "NOWOSTI"

2021-17-09-2003

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Frage: Was fьr eine Politik betreibt Russland gegenьber Afrika?

Antwort: Afrika ist eine der wichtigen Richtungen der russischen AuЯenpolitik, und wir sind an einer Festigung der vielseitigen russisch-afrikanischen Zusammenarbeit aufrichtig interessiert.

Russland und einige Lдnder des afrikanischen Kontinents sind durch enge Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Respektes miteinander verbunden. Es ist allgemein bekannt, dass unser Land zur Befreiung afrikanischer Staaten vom kolonialen Joch, zur deren nationaler, politischer und wirtschaftlicher Entwicklung einen groЯen Beitrag geleistet hat.

Es ist erfreulich, dass die russisch-afrikanischen Beziehungen in letzter Zeit eine neue Dynamik gewinnen. Der politische Dialog wird immer aktiver, unsere Staaten arbeiten konstruktiv in der Weltarena zusammen, indem sie gemeinsame MaЯnahmen zur Festigung der zentralen Rolle der UNO bei der Gewдhrleistung von Frieden und Stabilitдt und zur Bekдmpfung von Terrorismus und Extremismus ergreifen.

Mit Genugtuung stellen wir fest, dass sich unsere Wirtschaftskooperation konsequent entwickelt, und dass der gegenseitige Handelsumsatz schrittweise zunimmt. Vertieft werden die interparlamentarischen und zwischenregionalen Beziehungen, die Kontakte im Gesundheits- und Bildungswesen werden weiter ausgebaut.

Ich mцchte betonen, dass wir die Sorgen der Afrikaner mit Verstдndnis aufnehmen. Wir sehen die Schwierigkeiten, auf die sie bei der Lцsung der Aufgaben zur sozial-wirtschaftlichen Wiedergeburt und anderer akuter Probleme stoЯen.

Russland trдgt auch zu den internationalen Anstrengungen wesentlich bei, die auf die Schaffung der notwendigen Bedingungen fьr eine nachhaltige Entwicklung Afrikas und eine Herausbildung zuverlдssiger Mechanismen zur Gewдhrleistung von Frieden und Sicherheit auf dem Kontinent abzielen.

Unsere konsequente Politik innerhalb der UNO, internationaler Wдhrungs- und Finanzorganisationen sowie im Rahmen der G8 entspricht den Belangen der afrikanischen Staaten, was beim Summit in Evian ein weiteres Mal bestдtigt wurde.

Die Hauptrichtung der russischen Unterstьtzung fьr den afrikanischen Kontinent besteht in der Reduzierung der Schuldenlast der afrikanischen Staaten im Rahmen der Schuldeninitiative fьr hochverschuldete arme Lдnder (HIPC). Von 1998 bis 2002 hat Russland insgesamt 11,2 Mrd. Dollar an Schulden afrikanischer Staaten abgeschrieben, davon 3,4 Mrd. Dollar allein im vergangenen Jahr.

Wir gewдhren afrikanischen Staaten zudem weitgehende Handelsprдferenzen, denen 80 Prozent der russischen Einfuhren aus Afrika unterliegen.

Darьber hinaus erweisen wir ihnen bei der Personalausbildung und im Gesundheitswesen wesentliche Hilfe. Jдhrlich werden rund 800 afrikanischen Studenten russische staatliche Stipendien zur Verfьgung gestellt, in einigen Lдndern des Kontinentes arbeiten russische Pдdagogen und Дrzte. Im Zeitraum von 2002 bis 2006 wird Russland insgesamt 20 Millionen Dollar fьr den Weltfonds zur Bekдmpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria spenden. Moskau hat bereits fьnf Millionen Dollar an diesen Fonds ьberwiesen.

Russland hilft afrikanischen Staaten unter anderem durch humanitдre Hilfslieferungen auch bei der Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen. So sind 2002 und 2003 Hilfsgьter nach Algerien, Дthiopien und Eritrea geschickt worden. Die im Rahmen des Welternдhrungsprogramms geleistete Lebensmittelhilfe fьr Angola im Wert von 1 Million Dollar wurde aus von Russland freiwillig gespendeten Mitteln finanziert. Im laufenden Jahr ьberwies Russland an das Bьro des UN-Hochkommissars fьr Flьchtlinge freiwillig zwei Millionen Dollar, die fьr die Finanzierung von dessen Hilfsoperationen in Afrika gedacht sind.

Wir werden auch weiterhin gemeinsam mit der Weltgemeinschaft dem afrikanischen Kontinent komplexe Hilfe leisten.

Frage: Wie schдtzt Moskau die Bildung der Afrikanischen Union ein?

Antwort: Die Bildung der Afrikanischen Union (AU) kennzeichnete eine neue Etappe im Leben Afrikas. Die Schritte der afrikanischen Staaten zur Ausarbeitung einer einheitlichen Politik zur Beilegung und Verhьtung regionaler Konflikte sowie zur Durchfьhrung sozial-wirtschaftlicher Reformen, die im Rahmen dieser Union unternommen werden, sind fьr das Schicksal des Kontinents ausschlaggebend. Wir halten es fьr wichtig, dass die Hauptgremien und -strukturen der AU schnellstens ihre Arbeit aufnehmen. Auf der Grundlage der guten Traditionen, die fьr unsere Beziehungen mit der Organisation der afrikanischen Einheit charakteristisch sind, wollen wir das Zusammenwirken mit der Afrikanischen Union sowie mit den fьhrenden subregionalen Organisationen, vor allem mit der Entwicklungsgemeinschaft des Sьdlichen Afrika (SADC), deren Exekutivsekretдr Prega Ramsamy kьrzlich in Moskau gewesen ist, umfassend festigen.

Frage: Wie steht Russland zur NEPAD?

Antwort: Wir schдtzen das von der panafrikanischen Organisation verabschiedete Programm "Neue Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas" (NEPAD) positiv ein. Das langfristige Ziel dieses Programms besteht in der Ausmerzung der Armut in der Region durch die Beschleunigung des Wachstums des BIP und die Sicherstellung einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. Wir sind davon ьberzeugt, dass die afrikanischen Staaten in diesen Fragen, die fьr den ganzen Kontinent eine strategische Bedeutung haben, entschlossen und konsequent vorgehen mьssen. Wir begrьЯen das Bestreben der afrikanischen Gemeinschaft, das NEPAD-Programm in die Praxis umzusetzen.

Frage: Wie nimmt Russland an der Umsetzung des G8-Aktionsplans fьr Afrika teil?

Antwort: Ьber die Hauptrichtungen der russischen Hilfe fьr den Kontinent, unter anderem ьber die Umsetzung des vor rund einem Jahr beim Gipfel in Kananaskis verabschiedeten MaЯnahmenplans fьr Afrika, habe ich schon am Anfang des Interviews berichtet. Auf diesem Gebiet kooperieren wir eng mit unseren G8-Partnern. Gemeinsam arbeiten wir MaЯnahmen aus, um Afrika bei der Realisierung der NEPAD-Agenda zu helfen.

Der Sonderbeauftragte des Prдsidenten der Russischen Fцderation fьr die Beziehungen zu den afrikanischen Staatschefs, Direktor des Instituts fьr Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Wissenschaftsakademie, Akademiemitglied Nodari Simonija, und das AuЯenministerium Russlands nahmen aktiv an der Vorbereitung des betreffenden Aktionsplans und eines Berichtes ьber seine Umsetzung zum Evian-Gipfel teil. Russische und afrikanische Experten arbeiteten zudem einen Plan zur Schaffung eines eigenen Anti-Krisen-Potentials in der Region aus, der in Evian einstimmig unterstьtzt wurde.

Frage: Welche Position hat Russland bezьglich der Konflikte in Afrika?

Antwort: Moskau ist ьber die weiterhin bestehenden zahlreichen Spannungsherde auf dem Kontinent besorgt. Wir sind fьr eine operative und adдquate Reaktion der Weltgemeinschaft auf diese Herausforderungen sowie fьr eine Zusammenarbeit der UNO, des Weltsicherheitsrates und der regionalen und subregionalen Strukturen bei der Regelung der Konfliktsituationen in Afrika.

Die Gewдhrleistung eines dauerhaften Friedens auf dem Kontinent ist die wichtigste Voraussetzung fьr eine erfolgreiche Lцsung aller anderen Probleme Afrikas. Um in dieser Schlьsselrichtung reell voranzukommen, tut eine denkbar aktive Position der Afrikaner Not - davon sind wir fest ьberzeugt. Wir begrьЯen die entsprechenden Anstrengungen der afrikanischen Gemeinschaft.

Als stцndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats nimmt Russland aktiv an Friedenseinsдtzen auf dem Kontinent teil. Russische Beobachter, Vertreter und Friedenskontingente /insgesamt 200 Armeeangehцrige, inklusive einer Hubschraubereinheit und Mitarbeiter der Organe des Innern/ sind an allen UNO-Friedensoperationen auf diesem Kontinent, so in der Demokratischen Republik Kongo, in der Westsahara, Sierra Leone, Дthiopien und Eritrea, beteiligt. Es wurde zudem beschlossen, russische Armeeangehцrige im Rahmen einer UNO-Friedensmission nach Cфtй d'Ivoir zu entsenden. Wir werden auch weiterhin nach Krдften zur Beilegung der Konflikte in Afrika beitragen.

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