07-09-2012


   Das russische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten (MID) wurde am 8. September 1802 durch ein Manifest des Imperators Alexanders I. errichtet.
Am selben Tag wurde der Ukas über die Aufrechterhaltung des bis dahin als außenpolitisches Amt fungierenden Kollegiums für auswärtige Angelegenheiten (KID) erlassen. Das KID war weiter für den bisherigen Fragenkreis zuständig und änderte auch seinen Personalbestand nicht, wurde jedoch unter die Leitung des Ministers für auswärtige Angelegenheiten gestellt, welcher der renommierte Diplomat und Politiker der Katharinischen Zeit, Alexander Romanowitsch Woronzow, wurde. Wegen der Halbheit und Zwiespältigkeit der ministeriellen Reform blieben KID und MID bis 1830 nebeneinander bestehen, was nicht selten zu Rivalität, Parallelismus und Verwirrung in der Arbeit führte.
   Unter dem ersten Leiter des Ministeriums wurde die Provisorische Kanzlei des Ministers gebildet, die in 4 Expeditionen unterteilt war. Diese waren zuständig für asiatische Angelegenheiten, für die Korrespondenz mit der Mission in Konstantinopel und mit den Ministern für Handel und innere Angelegenheiten, die Korrespondenz mit den russischen bevollmächtigten Vertretern im Ausland und für die Ausstellung von Auslandspässen. Auch die Chiffrierexpedition und das Zeremonialdepartement unterstanden unmittelbar dem Minister.
   1806 erhielt die Kanzlei des Ministers eine neue Struktur. Später wurden die Expedition für Konsularwesen, die Lehrabteilung für orientalische Sprachen, die Innenwirtschaftsabteilung, das Departement für Innenbeziehungen, das Departement für Außenbeziehungen usw. Bestandteil des MID.
   Gegen 1816 erlangte das Ministerium eine klare Struktur, die bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts bestehen blieb. An seiner Spitze stand die nach dem Imperator zweite Person in der Staatsverwaltung – der Minister für auswärtige Angelegenheiten im Rang eines Kanzlers. Als Stellvertreter oder Assistenten des Ministers wurden zwei Staatssekretäre berufen. Den Beamten wurden Ränge verliehen, die der internationalen Klassifikation, welche durch den Wiener Kongress (1815) festgelegt wurde, entsprachen. Die 1815 angenommenen diplomatischen Ränge bestanden in Russland bis zum Oktober 1917.
Der Zentralapparat des MID umfasste: die Kanzlei, das Departement für Innenbeziehungen (in dessen Zuständigkeit alle politischen und konsularischen Angelegenheiten fielen, aber auch Fragen, welche die russischen Staatsangehörigen betrafen), das Asiatische Departement und das Departement für Personal und wirtschaftliche Angelegenheiten.
   Zur Struktur des Zentralapparates gehörten auch die Archive, die Kommission für die Ausgabe staatlicher Urkunden und Verträge und die Redaktionsbüros für die amtlichen Veröffentlichungen des außenpolitischen Amtes in russischer und französischer Sprache.
   Die ausländischen Abteilungen umfassten: Botschaften Russlands in den großen Staaten, Missionen, Residentschaften in kleinen und abhängigen östlichen Ländern, Generalkonsulate, Konsulate, Vizekonsulate und Konsularagenturen.
   1846 wurde auf Antrag des Kanzlers Karl Wassiljewitsch Nesselrode, der 40 Jahre lang (von 1816 bis 1856) an der Spitze des russischen außenpolitischen Amtes stand, die „Errichtung des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten" (Statut des MID) genehmigt, die dessen neue Struktur und Funktionen festlegte. Gemäß Artikel 1 der „Errichtung" hatte das „Ministerium für auswärtige Angelegenheiten die politischen Beziehungen zu ausländischen Staaten, die Intervention um gesetzlichen Schutz russischer Staatsangehöriger in der Fremde und die Mitwirkung an der Gewährung berechtigter Bitten von Ausländern in ihren Angelegenheiten in Russland" zum Gegenstand.
   1856 übernahm Alexander Michailowitsch Gortschakow die Leitung des MID. Mit seinem Namen sind sehr große Erfolge in der internationalen Arena sowie die Reorganisation des Amtes verbunden. Seine berühmten Rundschreiben sind in die Geschichte eingegangen: das Rundschreiben von 1856, das die Grundlagen der Außenpolitik Russlands darlegte, und das Rundschreiben von 1870, das bekanntgab, dass sich Russland nicht mehr an die Bedingungen des Pariser Friedensvertrages von 1856 gebunden erachte, da diese seine souveränen Rechte am Schwarzen Meer einschränkten.
   1859 genehmigte Alexander Gortschakow die neuen „Regeln für die Einsetzung in den Dienst und zu den Ämtern" im Außenministerium.
   1868 wurde eine neue „Errichtung des MID" eingesetzt und der Personalbestand geändert in Richtung Kürzung des Personals der zentralen Abteilungen des Amtes. Zählte das MID 1839 noch 535 Beamte, so blieben unter Alexander Gortschakow nur 134 Dienstposten erhalten. Zugleich wurde den Departements das Recht eingeräumt, „zur Verstärkung ihrer Mittel" außeretatmäßige Beamte zu haben.
Im November 1895 entwickelte der bekannte Völkerrechtler und Mitglied des Rates des Außenministeriums, Friedrich Fromhold Martens, einen Plan zur Neuorganisation des Ministeriums unter Berücksichtigung der Erfahrung der diplomatischen Behörden in westeuropäischen Ländern, doch wurde dieses Projekt nicht verwirklicht.
Erst als im Mai 1906 Alexander Petrowitsch Iswolski zum Außenminister berufen wurde, kam es im MID zu einer weiteren Reform, die sich über mehrere Jahre erstreckte und zum Ziel hatte, die Amtsstrukturen entsprechend den neuen politischen Bedingungen der Revolutionsereignisse 1905 und der Einberufung der Staatsduma zu modernisieren.
   Um 1913 wurde von Russland ein weitverzweigtes Netz an diplomatischen und konsularischen Auslandsvertretungen geschaffen. Gab es 1758 11 russische Auslandseinrichtungen, 1868 – 102, 1897 – 147 und 1903 – 173, so unterhielt Russland zu Beginn des Ersten Weltkriegs diplomatische Beziehungen zu 47 Ländern und hatte über 200 Vertretungen im Ausland.
   1914 wurde unter Minister Sergei Dmitrijewitsch Sasonow eine Gesetzesvorlage über neue Etats für das MID gebilligt, die aber wegen des Beginns des Ersten Weltkriegs nicht realisiert wurde. Während der Kriegszeit entstand eine neue Abteilung im Ministerium – die Justitiarabteilung. Im Dezember 1915 wurde die Sonderabteilung für Kriegsgefangene eingerichtet und im April 1916 die Informationsabteilung zwecks Erhalt und Bearbeitung von Informationen „über die Entwicklung der politischen Idee im Ausland". Um den ständigen Kontakt zum Hauptquartier des Obersten Befehlshabers aufrechtzuerhalten, wurde die Diplomatische Kanzlei geschaffen.
Im März 1917 erließ die Provisorische Regierung eine Verordnung über die Änderung der geltenden „Einrichtung des MID". Es wurden das Ökonomische und das Rechtliche Department sowie eine Chiffrierabteilung geschaffen.
   Am 26. Oktober (8. November) 1917 wurde laut Dekret des II. Allrussischen Sowjetkongresses „Über die Schaffung des Rates der Volkskommissare" das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten (NKID) gebildet. An dessen Spitze stand bis Ende Februar 1918 Lew Dawidowitsch Trotzki, der in dieser Eigenschaft mit seiner Haltung „weder Frieden, noch Krieg" bei den Verhandlungen mit Deutschland und dessen Alliierten im Gedächtnis blieb, aber auch damit, dass er in kürzester Zeit die Veröffentlichung des Hauptbestands der „geheimen" internationalen Verträge der Zaren- und der Provisorischen Regierung organisierte.
   Im Mai 1918 wurde Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin zum Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten ernannt und blieb bis Juli 1930 auf diesem Posten.
   Im Juni 1918 wurde die Ordnung über die Arbeit des Volkskommissariats für auswärtige Angelegenheiten (NKID) der RSFSR genehmigt, welche die strukturelle Zusammensetzung des Amtes und die Ordnung für die Organisation der Vertretungen im Ausland festlegte. Die verallgemeinerten Erfahrungen aus der Arbeit des Kommissariats lagen der im Juni 1921 verabschiedeten Ordnung über das NKID der RSFSR zugrunde. Infolge der Gründung der Sowjetunion wurde das NKID der RSFSR umorganisiert in das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten der UdSSR. 1923 wurde die „Ordnung über das NKID der UdSSR" erlassen. Als leitendes Organ des Volkskommissariats wurde wieder das Kollegium eingesetzt.
   Im Mai 1939 wurde Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow an die Spitze des NKID berufen, behielt aber gleichzeitig den Posten des Regierungschefs (des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der UdSSR) bis 6. Mai 1941 (der in Ungnade gefallene und vom Posten des Leiters des Volkskommissariats abgesetzte Maxim Maximowitsch Litwinow wurde später in die diplomatische Arbeit zurückgeschickt: 1941-1946 stellvertretender Leiter des Kommissariats, gleichzeitig 1941-1943 Botschafter der UdSSR in den USA und 1942-1943 Gesandter der UdSSR auf Kuba).
   Mit der Ankunft Molotows im NKID kam es sofort zu einem „Köpferollen", und die Struktur des außenpolitischen Amtes wurde drei Mal einer Umbildung unterzogen (1939, 1941 und 1944).
   Von den Repressionen waren auch Diplomaten betroffen: einigen Angaben zufolge waren allein zwischen 1936 und 1940 zwei- bis zweieinhalb Tausend NKID-Mitarbeiter, darunter 7 stellvertretende Volkskommissare und über 40 Bevollmächtigte (Botschafter) Repressionen ausgesetzt und es wurden praktisch alle Leiter der operativen Abteilungen und Verwaltungen ausgetauscht; anderen Quellen zufolge wurden in den 1930er bis 1950er Jahren mindestens 44 Bevollmächtigte und 24 Abteilungsleiter Repressalien unterworfen. Die personellen Lücken, die aufgrund der Repressionen in den 1930er und den darauffolgenden Jahren im Kollektiv des Volkskommissariats entstanden, wurden durch Partei- und Komsomolaktivisten der führenden Industriezweige gefüllt (sogenannte „Molotow-Rekrutierung"). Im August 1939 wurde zur schnelleren Ausbildung diplomatischer Kader auf Basis des bereits 1934 gegründeten Instituts (zu Beginn als „Kurse" bezeichnet) für die Heranbildung diplomatischer und konsularischer Mitarbeiter die Diplomatische Hochschule (heute Diplomatische Akademie des Außenministeriums Russlands) gegründet.
   Mit dem Beginn des Großen Vaterländischen Krieges stellte das NKID seine Arbeit nach den Erfordernissen der Kriegszeit um. Im Sommer 1941 ging eine große Gruppe von Mitarbeitern an die Front und zu Fortifikationsarbeiten (insgesamt 146 Personen bzw. ca. 23% des Stellenplans). 62 Personen meldeten sich zum Moskauer Reserveheer. Die Namen von 71 im Kampf gefallenen Mitarbeitern stehen auf der Gedenktafel im Gebäude des Außenministeriums Russlands. Für die Geldzuweisungen an die Mitarbeiter der sowjetischen Botschaften wurde eine Panzerkolonne gebildet und an die Front geschickt.
   Im Oktober 1941 wurden die Volkskommissariate, unter anderem das NKID und das Diplomatische Korps, aus Moskau nach Kujbyschew evakuiert. Doch Wjatscheslaw Molotow blieb mit seinem Sekretariat und einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern des Kommissariats im Kreml. Diese Situation dauerte bis August 1943, als alle Diplomaten, sowohl sowjetische wie auch ausländische, nach Moskau zurückkehrten.
   1941 wurden die diplomatischen Ränge des außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters und des außerordentlichen und bevollmächtigten Gesandten und 1943 die Ränge für die anderen diplomatischen Mitarbeiter eingeführt.
   Am 14. Oktober 1944 wurde per Beschluss des Rates der Volkskommissare der UdSSR auf Basis der Internationalen Fakultät der Staatlichen Universität Moskau (MGU) das heutige Staatliche Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO-Universität) gegründet, das neben der Diplomatischen Akademie die wichtigste Schmiede für heimische diplomatische Kader ist.
   Im März 1946 wurde die Bezeichnung außenpolitisches Amt durch Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der UdSSR ersetzt. Die Nachkriegsordnung Deutschlands, die Gründung der UNO und der Eintritt der nationalen Befreiungsbewegungen in die internationale Arena fanden in der Struktur und den Aufgaben der Tätigkeit des Außenministeriums der UdSSR ihren Niederschlag. Neu hinzu kam eine Erweiterung jener Abteilungen des MID, die sich mit den Themen Nord- und Südamerika, Naher Osten, Südostasien, Afrika und Fernost beschäftigten.
   Am 4. März 1949 wurde Wjatscheslaw Molotow als Außenminister von Andrei Januarjewitsch Wyschinski abgelöst. Doch am 5. März 1953 kehrte Molotow in das Amt des Leiters des MID zurück und leitete dieses bis 1. Juni 1956.
   Ab 1953 begann die Vergrößerung der europäischen Abteilungen. Die um die Mitte der 50er Jahre bestehende Struktur des Ministeriums blieb ohne wesentliche Änderungen bis 1986 erhalten. Außenminister der UdSSR war von Februar 1957 bis Juni 1985 der angesehene Staatsmann und Diplomat Andrei Andrejewitsch Gromyko.
Während der „Perestroika", vom 2. Juli 1985 bis 20. Dezember 1990 stand Eduard Amwrosiewitsch Schewardnadse an der Spitze des MID. In dieser Zeit wurden bedeutende strukturelle Veränderungen des MID-Zentralapparats durchgeführt, das leitende Personal sowie das Botschaftskorps wesentlich erneuert und personelle „Säuberungen" im Rahmen der Bekämpfung der Günstlings- und Vetternwirtschaft durchgeführt.
   Von Jänner 1990 bis zum Augustputsch des sogenannten „Staatskomitees für den Ausnahmezustand" 1991 leitete Alexander Alexandrowitsch Bessmertnych das MID und wurde dann von Boris Dmitriewitsch Pankin abgelöst. Anfang November 1991 beschloss die Staatsführung die „radikale Reorganisation" des MID und seine Umwandlung in das Ministerium für Außenbeziehungen, wobei ihm die Funktionen des Ministeriums für Außenwirtschaftsbeziehungen übertragen wurden. An der Spitze dieser „experimentellen" Struktur stand bis zu deren Auflösung im Dezember 1991 der für kurze Zeit in den diplomatischen Dienst zurückgekehrte Eduard Schewardnadse.
Gemäß Erlass des Präsidenten der RSFSR vom 18. Dezember 1991 „Über den außenpolitischen Dienst der RSFSR" wurde dem MID der RSFSR das „aufgelöste Ministerium für Außenbeziehungen der UdSSR zur Leitung und operativen Verwaltung" übertragen, und am 26. Dezember 1991 wurde mit der Beendigung der Existenz der UdSSR das Ministerium für Außenbeziehungen der UdSSR abgeschafft. Durch das Gesetz Nr.2094-I der RSFSR vom 25. Dezember 1991 wurde das MID der RSFSR in MID der Russischen Föderation umbenannt.
   Im Sommer 1991 wurde das von der Verfassung des Landes nicht vorgesehene Amt des Staatssekretärs der RSFSR geschaffen – Sekretär des Staatsrates beim Präsidenten der RSFSR, dem umfassende Vorrechte in verschiedenen Bereichen der staatlichen Verwaltung eingeräumt wurden, unter anderem auch im Bereich der Außenpolitik (abgeschafft Ende 1992). Der Staatssekretär war unter anderem dem Präsidenten für die Ausarbeitung einer außenpolitischen Strategie des Landes verantwortlich, er „koordinierte die außenpolitische Tätigkeit der Organe der staatlichen Verwaltung" und er vertrat im Auftrag des Präsidenten des Landes diesen gegenüber ausländischen Staaten.
   Der Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 25. Februar 1992 verankerte die „präsidentielle Zugehörigkeit" des Außenministeriums, indem bestimmt wurde, dass die Tätigkeit des MID Russlands „unmittelbar vom Präsidenten der Russischen Föderation gelenkt wird". Dabei wurde die „operative Führung der Tätigkeit" des Ministeriums dem ersten stellvertretenden Vorsitzenden der Regierung, Gennadi Burbulis, übertragen (der dieses Amt neben dem des Staatssekretärs ausübte). In dieser schwierigen und widersprüchlichen Zeit bekleidete Andrei Wladimirowitsch Kosyrew das Amt des Außenministers (von Oktober 1990 bis Dezember 1991 leitete er das MID der RSFSR und von Dezember 1991 bis Jänner 1996 das MID der Russischen Föderation).
   Im Jänner 1996 wurde Jewgeni Maximowitsch Primakow zum Außenminister Russlands ernannt, ab September 1998 leitete Igor Sergeewitsch Iwanow das russische MID und im März 2004 übernahm der jetzige Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Viktorowitsch Lawrow, die Stafette im Amt des Führers der russischen Diplomatie und wurde danach drei Mal in Folge in dieses Amt bestellt.
   Am 7. Mai 2012 unterzeichnete der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Wladimirowitsch Putin, den Erlass „Über Maßnahmen zur Umsetzung des außenpolitischen Kurses der Russischen Föderation", in dem die zentrale Aufgabe der Außenpolitik und Diplomatie Russlands in der heutigen Etappe formuliert ist: die Gewährleistung der nationalen Interessen des Landes auf der Basis der Prinzipien des Pragmatismus, der Offenheit und Multivektorialität unter den Bedingungen der Bildung eines polyzentrischen Systems der internationalen Beziehungen. Im Erlass sind die aktuellen Prioritäten der diplomatischen Arbeit dargelegt und ein breites Programm konkreter Aktionen ausführlich vorgegeben.
   Zum Zeichen der hohen Einschätzung des Beitrags des MID bei der Umsetzung der Politik des russischen Staates führte der Präsident der Russischen Föderation am 31. Oktober 2002 durch seinen Erlass den Tag des diplomatischen Mitarbeiters ein, der jedes Jahr am 10. Februar gefeiert wird. Per Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 9. Juli 2010 wurde das heraldische Zeichen – das Emblem des MID - festgelegt und am 12. Juli 2012 kam der Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation „Über die Einführung der Flagge des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation" heraus.
Die russische Diplomatie zeichnete sich im Verlauf ihrer gesamten Geschichte durch eine kreative Arbeitsweise aus und schenkte dem Vaterland große Talente in den verschiedensten Bereichen. Viele Klassiker der Literatur und der Kunst glänzten im diplomatischen Dienst oder hatten unmittelbar mit diesem zu tun: Antioch Kantemir, Denis Fonwisin, Konstantin Batjuschkow, Alexander Gribojedow, Alexander Puschkin, Fjodor Tjutschew, Dmitri Wenewitinow, Nikolai Ogarjow, Elim Meschtscherski, Alexei Konstantinowitsch Tolstoi.
   Das schöpferische und kreative Prinzip im Leben der Mitarbeiter des MID ist auch in der neuesten Geschichte Russlands erhalten geblieben. Zeugnis dafür sind die Gedichtbände russischer Dichterdiplomaten „Luftloch" (2001), „Der zweite Atem" (2004), „Von Jahrhundert zu Jahrhundert" (2006), „Mein Smolenka" (2008) u.a., in welche die Werke prominenter heimischer Diplomaten aufgenommen wurden, wie zum Beispiel Juri Andropow, Jewgeni Primakow, Alexander Bessmertnych, A. L. Adamischin, Sergej Lawrow (Autor der Hymne des MGIMO und Dutzender dichterischer Werke), A. G. Kowaljow, Viktor Posuwaljuk, M .I. Basmanow, V. N. Kasimirow, J. B. Kaschljow, die Tjutschew-Preisträger A. G. Pschenitschnyj, W. I. Masalow, G. A. Rusakow, G. G. Gwenadse und viele andere talentierte Poeten aus dem Hochhaus am Smolenskaja-Platz.

ÜBER DEN DIPLOMATENTAG

   Dieser Berufsfeiertag wurde durch den Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Oktober 2002 anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Außenministeriums Russlands eingeführt.
   Die Tatsache an sich, dass es im russischen Kalender einen solchen Feiertag gibt, spricht von der hohen öffentlichen Anerkennung des Diplomatenberufs und von der Bedeutung, welche die Führung des Landes unserer Arbeit beimisst. Und natürlich gemahnt uns dieser Tag an die große Verantwortung, die wir gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, gegenüber jedem einzelnen russischen Staatsbürger haben.
   Im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten Russlands gehen wir davon aus, dass die Einsetzung unseres Berufsfeiertages den Interessen der Stärkung des russischen Staatswesens und dessen beständiger Stütze, des außenpolitischen Dienstes, dient, aber auch der Entwicklung der Gefühle von Patriotismus und Stolz auf unser Vaterland und seine Geschichte und die Fortsetzung der guten Traditionen der russischen Diplomatie, die mit Recht als eine der stärksten in der Welt gilt.
   Die Einführung des Tages der Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes fördert die Steigerung des Ansehens der einheimischen Diplomatie und stimuliert eine weitere Erhöhung von Niveau und Qualität der Arbeit der Mitarbeiter des MID Russlands und dessen Auslandsämtern bei der Umsetzung der außenpolitischen Tätigkeiten unseres Landes, die unter Führung des Präsidenten der Russischen Föderation durchgeführt werden.
   Die Einsetzung des Berufsfeiertages ist auch eine Hommage an die Veteranen, welche die Interessen unseres Vaterlandes in den diplomatischen Kämpfen während der schwierigen Zeiten der russischen Geschichte, aber auch der internationalen Beziehungen würdig verteidigt haben. Dieser Feiertag dient uns als Anlass, uns an die Vergangenheit zu erinnern und über das Heute und Morgen unseres diplomatischen Dienstes nachzudenken.
   Das Datum des Feiertags wurde nicht zufällig gewählt – es hängt mit der Geschichte der Gesandtschaftskanzlei (Posolskij Prikas) zusammen. Auf diesen Tag 1549 fällt die früheste Erwähnung der ersten außenpolitischen Behörde Russlands. Doch eigentlich ist die Geschichte der vaterländischen Diplomatie noch viel älter und geht auf den ersten bedeutsamen zweiseitigen Vertrag des IX. Jahrhunderts zurück, den Vertrag „Über Frieden und Liebe", der im Jahr 860 mit dem Byzantinischen Reich geschlossen wurde und durch den die Rus zum ersten Mal internationale Anerkennung fand.
   Ab dem Zeitpunkt der Entstehung eines einheitlichen russischen Staates war es ein ständiges Ziel der Außenpolitik, die internationalen Verbindungen auszuweiten und keine Isolierung zuzulassen. Dieses Bestreben war die zentrale treibende Kraft für das Entstehen und die spätere Entwicklung und Vervollkommnung des diplomatischen Dienstes unseres Landes.
   Gegen Ende des 15. Jahrhunderts machte die Diplomatie der Teilfürstentümer der Diplomatie des Einheitsreichs Platz und um die Mitte des 16. Jahrhunderts eröffneten sich dem Land neue Horizonte und Möglichkeiten. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sandte seine Botschafter nach Moskau. Russische Diplomaten wurden in europäischen Ländern häufige Gäste. Auch im Osten wurde unserem Land Rechnung getragen. Russland verwandelte sich in eine einflussreiche Macht mit aktiver internationaler Politik. Zur Lösung der neuen außenpolitischen Aufgaben wurde unter diesen Bedingungen die Strukturierung und organisatorische Gestaltung der diplomatischen Behörde notwendig. So entstand damals die Gesandtschaftskanzlei (Posolskij Prikas). Seit dieser Zeit wurde der diplomatische Dienst zu einem eigenen Zweig der Staatsverwaltung und erhielt einen gesonderten Status.
   1718-1720 wurde die Gesandtschaftskanzlei in das Kollegium für auswärtige Angelegenheiten umgewandelt. Während der Tätigkeit des Kollegiums wuchs eine Plejade talentierter Diplomaten heran, welche die grundlegenden Prinzipien und Verfahren der russischen Diplomatie schufen, die sich forthin weiterentwickelt und verbessert haben.
   1802 wurde durch ein Manifest von Imperator Alexander I. das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten gebildet.
   Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde in Übereinstimmung mit dem Dekret des II. Allrussischen Sowjetkongresses vom 26. Oktober (8. November) „Über die Schaffung des Rates der Volkskommissare" das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten (NKID) gebildet.  Doch wurde im März 1946 dem außenpolitischen Amt der UdSSR seine frühere Bezeichnung – Ministerium für auswärtige Angelegenheiten - zurückgegeben.
   Heute sind die organisatorische Struktur des Ministeriums und seine Funktionen durch das per Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 11. Juli 2004 genehmigte Statut über das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation festgelegt (mit vorgenommenen Änderungen gemäß Erlass Nr. 854 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 9. Juli 2010). Die Grundlagen für die außenpolitische Strategie unseres Landes, nach denen sich das Ministerium in seiner täglichen Arbeit richtet, sind durch die Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation definiert, die in ihrer neuen Fassung durch den Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedew, am 12. Juni 2008 genehmigt wurde.
   Der diplomatische Dienst unseres Landes bewahrt sein historisches Erbe sorgfältig, studiert es gründlich und eignet es sich an, um dieses in seiner Arbeit zu berücksichtigen und beizutragen zu einer objektiven Rezeption der für Russland traditionell charakteristischen aktiven Außenpolitik, die unserem Land über die Jahrhunderte nicht nur die Rolle eines initiativen Teilnehmers an den weltweiten zwischenstaatlichen Prozessen sicherte, sondern auch als eine der wichtigsten Garantien für seine Sicherheit diente.
   In unserer Welt der Globalisierung und wechselseitigen Abhängigkeit gewinnt der Diplomatenberuf qualitativ neue Züge. Das Aufgabengebiet der Diplomaten umfasst ständig neue Bereiche der internationalen Beziehungen, die mit der Zusammenarbeit bei der Lösung der vielfältigen globalen Probleme der Menschheit einhergehen. Doch wirklich professionell und effektiv kann der außenpolitische Dienst nur dann sein, wenn er auf dem festen Boden der nationalen historischen Traditionen und kulturellen Werte steht. Im Respekt für die Vergangenheit liegt die Kontinuität des historischen Prozesses begründet, aber auch die Bewahrung und Mehrung der besten Traditionen der russischen Diplomatie. Dadurch kann Russland eine optimale Linie in internationalen Angelegenheiten aufbauen und seine nationalstaatlichen Interessen effektiver behaupten.
   Die Zuwendung zur Geschichte erlaubt auch, daraus Lehren für das Heute und Morgen zu ziehen, die historische und die neu gewonnene Erfahrung gegenüber zu stellen und die neuen Herausforderungen und umfassenden Aufgaben, vor denen die Außenpolitik in der heutigen, sich rasch verändernden Welt steht, in Relation zu den Erfahrungen der Vergangenheit zu setzen. Deswegen ist die  behutsame und respektvolle Einstellung zum historischen Erbe unerlässliches Element bei der Ausbildung der neuen Generationen russischer Diplomaten.
   Der Berufsfeiertag der russischen Diplomatie ist ein Ausdruck der Hochachtung vor vielen Generationen von Vorgängern, die der Heimat treu und ergeben gedient haben. Durch ihre selbstlose Arbeit und höchste Professionalität haben sie bewiesen, wie groß die Bedeutung des diplomatischen Dienstes bei der Sicherstellung der Interessen des Landes in der internationalen Arena ist.
   Heute sind wir bestrebt, die Traditionen, für die unsere Diplomatie seit jeher berühmt ist, in vollem Umfang zu bewahren und zu entwickeln. Die besten Traditionen der russischen Diplomaten der Vergangenheit waren immer der aufgeklärte Patriotismus, eine hohe professionelle Kultur, ein tiefes Verständnis für die nationalen Interessen und die Fähigkeit, die diplomatische Aktivität mit den realen Möglichkeiten und Ressourcen des Landes in Relation zu bringen. Genau wie vor hundert oder zweihundert Jahren gehören zu den Anforderungen, die an einen Diplomaten gestellt werden, der politische Weitblick, die Fähigkeit, mit Menschen zu arbeiten, die Kenntnis von Fremdsprachen usw. Alle, die an der diplomatischen Front arbeiten, wissen unter anderem aus eigener Erfahrung, dass sich diese Eigenschaften wie auch insgesamt die Persönlichkeit des Diplomaten über eine lange Zeit hinweg entwickeln. Diese Traditionen haben eine bleibende Bedeutung und bilden das Fundament, auf dem der russische diplomatische Dienst aufbaut.
   Die Stellung unseres Landes in der Welt bedingte immer hohe berufliche Anforderungen an die russischen Diplomaten. Unter den heutigen Bedingungen werden diese Anforderungen nicht weniger, sondern in vielerlei Hinsicht mehr. Die Struktur der internationalen Beziehungen wird immer komplizierter. Die diplomatische Technik verfeinert sich. Die internationalen Kontakte werden intensiver. Das alles bekommen wir in unserer täglichen Arbeit zu spüren.
   Der Status des Ministeriums als Behörde, die unmittelbar dem Präsidenten der Russischen Föderation unterstellt ist, sowie die Schwierigkeit und Vielfältigkeit der zu lösenden Aufgaben stellen besondere Anforderungen an das Personal. Zurzeit arbeiten im Zentralapparat des MID Russlands und in dessen Ämtern im Ausland etwa 12.000 Mitarbeiter. Ein Drittel von ihnen, d.h. 4.500 Personen, sind professionelle Diplomaten, von denen circa ein Viertel unter 30 Jahre alt ist. Die überwiegende Mehrheit der Diplomaten beherrscht in der Regel zwei Fremdsprachen, findet sich in den Realien der gegenwärtigen Außenpolitik gut zurecht, kann mit den Medien der Informationsbereitstellung entsprechend arbeiten und ist in Fragen der globalen Kultur und Wissenschaft versiert. Außerdem arbeiten im Zentralapparat und im Ausland ein großer Trupp administrativ-technischen Personals, Büromitarbeiter und Techniker, die ein effektives Funktionieren der Ämter im Ausland gewährleisten.
   Unser diplomatischer Dienst wird regelmäßig durch die besten Absolventen der russischen Hochschulen und durch führende Fachkräfte, die in verschiedenen Bereichen tätig sind, ergänzt. Es ist erfreulich festzustellen, dass die Zahl derer, die ihr Leben der Diplomatie widmen wollen, von Jahr zu Jahr steigt. Das zeigt, dass das Ansehen des Berufs in der Gesellschaft trotz der mit ihm verbundenen Anstrengungen und manchmal sogar Einschränkungen zunimmt. Die große Ehre, sich russischer Diplomat zu nennen, bedeutete in der über zweihundertjährigen Geschichte des außenpolitischen Amtes immer hingebungsvollen Dienst an der Heimat, Weitblick und Kompetenz. Und es ist sehr wichtig, dass heutzutage die zeitliche Verbindung nicht unterbrochen wird. Die jetzige Generation der MID-Mitarbeiter ist bemüht, neue ruhmreiche Seiten in die Chronik der russischen Außenpolitik zu schreiben.
   Am Tag des Diplomaten erweisen Mitarbeiter des Ministeriums den vorherigen Generationen der Mitarbeiter im diplomatischen Dienst unseres Landes die gebührende Ehre und legen an den Gräbern angesehener russischer Diplomaten, die in oder außerhalb Russlands beerdigt sind, Blumen nieder. Auch bei den Gedenktafeln im Gebäude des Ministeriums, auf denen die Namen der auf den Schlachtfeldern des Großen Vaterländischen Krieges gefallenen Mitarbeiter des diplomatischen Amtes sowie der in Ausübung ihres Dienstes und in den Jahren der stalinistischen Repressionen verstorbenen Mitarbeiter stehen, werden Blumen niedergelegt.
Traditionsgemäß werden anlässlich des Berufsfeiertages im Gebäude des MID in Moskau und in den russischen Ämtern im Ausland alljährlich Festveranstaltungen durchgeführt.